Frauen und neue Kommunikationstechnologien


Cross-Gender-Communication

E-Mail-Kommunikation


Verfasserinnen:
Andrea Schaffar und Daniela Yeoh



Inhaltsverzeichnis:


  1. Einleitung
  2. Die Entwicklung des Internet
  3. E-Mail - eine Einführung
  4. Die Verwendung von E-Mail
  5. E-Mail-Netikette
  6. Mailinglisten / Newsgroups - ein kurzer Exkurs
  7. E-Mail - geschlechtsspezifische Aspekte
  8. UserInnenstrukturen im Internet
  9. Untersuchung zu Cross-Gender-Communication
  10. Frauen im Cyberspace - Projekte in Ex-Jugoslawien
  11. E-Mail-Kommunikation in Ex-Jugoslawien
  12. Electronic Witches
  13. Thesen
  14. Zusammenfassung
  15. Literatur

1. Einleitung

Geschlechtsspezifische Aspekte des Internet sind ein kaum erforschter Bereich der Nutzungs- und Wirkungsforschung des zukünftigen Forschungsbereichs Internet schlechthin. Siehe dazu auch Gladys We: "However, it seems that relatively little work has been done on how women and men communicate with each other in online social environments." Fußnote 1

Dementsprechend war weder im World Wide Web selbst noch in der gängigen Literatur profundes Material zu finden. Die für diese Seminararbeit herangezogenen Unterlagen bestehen zum Großteil aus Tagungsberichten, Seminararbeiten von amerikanischen Studierenden und Einführungsliteratur zum Internet. Deshalb können wir nur einen kurzen Einblick ins Verwendungsprofil von E-Mail geben, die wichtigsten Daten zur Verfügung stellen und den geschlechtsspezifischen Aspekt dieses neuen Mediums anreißen.



2. Die Entwicklung des Internet

Das Internet nahm seine Anfänge in den 70er Jahren, als ein Werk des amerikanischen Verteidigungsministeriums (das Defense Department's Advanced Research Projects Agency) das Netzwerk aus Computern mit dem Namen ARPA-Net, entwickelte. Das neue Netzwerk, das darauf ausgelegt war, alle Arten von größeren Katastrophen wie z.B. Erdbeben oder einen Atomkrieg zu überleben, bestand aus mehreren Computern, die miteinander durch ein Hochgeschwindigkeitsnetz so verbunden waren, daß das Netz auch dann weiter funktionierte, wenn einer der Computer ausfallen sollte. Fußnote 2

In den 80er Jahren haben WissenschafterInnen ein Hochgeschwindigkeitsnetz namens NSFNET (National Science Foundation NETwork) entwickelt, um das alternde ARPA-Net abzulösen. Schließlich fingen Firmen an, Gateway-Software und -Hardware zu entwickeln und zu verkaufen, mit denen sich private Unternehmen ins Netz einloggen konnten. Und so entstand das Internet, wie wir es heute kennen. Das ursprüngliche NSFNET wurde inzwischen durch Leitungen mit höherer Geschwindigkeit ersetzt und wird wahrscheinlich vor der Jahrtausendwende nochmals ersetzt werden. Fußnote 3

Das Internet wird häufig auch als Netzwerk von Netzwerken bezeichnet, das zur Zeit (Stand: Oktober '95) - nach Schätzung der Internet Society - 45.000 eigenständige Teilnetze mit 4,82 Millionen Computern verbindet. Bis zum Ende des Jahrzehnts werden weltweit rund 300 Mio. AnwenderInnen an das Netz angeschlossen sein. Die aktuelle Wachstumsrate liegt derzeit bei rund 2 Mio. neuen AnwenderInnen pro Monat. Fußnote 4

TeilnehmerInnen können verschiedenste Dienste im Internet in Anspruch nehmen, wobei die hier wohl wichtigsten Begriffe und Möglichkeiten kurz angeführt werden:

Telnet gestattet das Remote-Login sowie den Terminalzugriff auf die Datenbank eines Internet-Hosts. Das World Wide Web (WWW) beschreibt ein Hypertext-System, das die Informationsflut des Internets in übersichtlicher und optisch ansprechender Form präsentiert. Das WWW erlaubt es, verschiedenste Techniken und Dienste (z.B. FTP, Gopher) miteinander zu verbinden und unterstützt die integrierte Übertragung von Graphik und Sound. FTP ist das Internet-Protokoll zum Datentransfer von und zu FTP-Servern. IRC bedeutet Internet Relay Chat und ist ein weit verbreitetes Chatsystem im Internet. Und nicht zu vergessen sind USENET Newsgroups, Mailing Lists und E-Mail, auf die wir noch zu sprechen kommen. Fußnote 5



3. E-Mail - eine Einführung

E-Mail ist die Abkürzung für electronic Mail, also Post, die elektronisch geschrieben und versendet wird. E-Mail ist wohl der am weitesten in Anspruch genommene Dienst im Internet.

Es gibt 2 Arten von E-Mail:

Die wichtigsten Provider bzw. mehr oder weniger kommerziellen Onlinedienste in Österreich sind Ping.at, EUNet, CompuServe und Magnet (vom akademischen Netz ACOnet ganz zu schweigen). Die Software dafür wird zahlreich auf den Markt geworfen und kann nach folgenden Kriterien eingeteilt werden: Fußnote 6

Die E-Mail-Adresse besteht aus dem TeilnehmerInnennamen und der Domain.
Die Nachricht selbst besteht aus der Adreßzeile ("To"), der Carbon-Copy- oder Kopie-an-Zeile ("Cc"), der Subject- oder Betreff-Zeile, der eigentlichen Nachricht und in manchen Fällen einer Signatur am Ende. Der/die AbsenderIn wird vom Mailprogramm selbst hinzugefügt. Beim Eintreffen der Post wird dem/der EmpfängerIn das Subject gemeinsam mit der AbsenderInadresse und der Empfangszeit angezeigt. Liest der/die EmpfängerIn die Post nicht, bleibt sie auf einem dafür vorgesehenen Server zwischengespeichert. Fußnote 7

Ein E-Mail kann nur Standard ASCII-Zeichen senden und hat auch keine besonderen Formatierungsmöglichkeiten (eine Ausnahme sind Intrasysteme). Häufig werden Akronyme (aus den Anfangsbuchstaben anderer Wörter gebildete Wörter - z.B. CUL für See You Later) und Smileys (kleine Gesichter aus verschiedenen Buchstaben- und Satzzeichenkombinationen, die unterschiedliche Gesichtsausdrücke darstellen - z.B. ;-) für Zwinkern) verwendet.

Mit E-Mail können aber nicht nur Texte, sondern auch Graphiken und Programme versendet werden.



4. Die Verwendung von E-Mail

Der Internet-Dienst E-Mail wird v.a. im privaten Bereich statt der herkömmlichen Post ("snail mail") verwendet, aber auch in der Wissenschaft und Wirtschaft eingesetzt (z.B. für Online-Bestellungen). Eine Untersuchung der Technischen Universität Wien ergab, daß Firmen durch den Einsatz von E-Mail die Kosten für ihre Post - je nach Umfang und Art ihrer Schreibwut - um bis zu 70 % reduzieren können. Selbst wenn ein neuer Computer angeschafft werden muß, rechne sich diese Investition bereits bei neun E-Mail-Sendungen täglich anstelle von Briefen. E-Mail-Sendungen verursachen immer die gleichen Kosten, egal ob sie auf einen anderen Kontinent oder nur ins nächstliegende Haus geschickt werden. Außerdem ist der/die EmpfängerIn nicht an einen festen Ort gebunden, sondern eine E-Mail kann von jedem beliebigen Computer auf der Welt gelesen werden, sofern es eine Telefonverbindung gibt. In den USA ist die Abwicklung der Firmenkorrespondenz über E-Mail längst eine Selbstverständlichkeit. Fußnote 8



5. E-Mail-Netikette

Sie besagt, was nicht getan werden soll bzw. bei der Verwendung / im Umgang mit E-Mail beachtet werden soll. Daran, wie wichtig die Netikette wirklich ist, scheiden sich die Geister.

Alspach führt folgende als allgemein anerkannte Verhaltensregeln an: Fußnote 9

In einem anderen Buch über effektive Kommunikation via E-Mail empfehlen die Autoren, sexistische Sprache aus den Mails zu eliminieren: "A big shift in business and personal communication is a recognition of the way language reflects our attitude toward the equality of the sexes. Sexist masculine pronouns and gender-specific titles are rooted in our language like weeds. In order to achieve nonsexist language in your communications, become sensitive to the ways traditional wording treats gender. Consider your reader's reaction to the language you use." Fußnote 10



6. Mailinglisten / Newsgroups - ein kurzer Exkurs

Da diese zwei Internet-Dienste sehr viel mit E-Mail zu tun haben, sollen sie hier kurz beschrieben werden. Mailinglisten sind Listen mit E-Mail-Adressen von Menschen, die ein gemeinsames Interesse an einem bestimmten Thema haben. Alle Mailinglisten-TeilnehmerInnen können Nachrichten zum jeweiligen Thema an eine Zentraladresse (Mail-Server) schicken, und diese Nachricht wird dann automatisch an alle TeilnehmerInnen weitergeschickt, was sehr leicht zu Informationsüberflutung führen kann. Fußnote 11

Die Subscribe-Methoden (zum Einschreiben) sind bei den Mailinglisten leicht unterschiedlich, aber meist genügt es, ein leeres E-Mail mit der Subject-Zeile "Subscribe" an die Mailingliste zu schicken. (Anmerkung: Niemand hat Zugang zu den Namen der Mailinglisten.) USENET Newsgroups hingegen sind die Diskussionsbretter des weltweiten Internet. Theoretisch kann jede an eine Newsgroup adressierte Nachricht von mehreren Mio. Menschen gelesen werden. Insgesamt existieren viele tausend dieser Konferenzen zu allen möglichen Themen. Fußnote 12



7. E-Mail - geschlechtsspezifische Aspekte

Im Internet gibt es sehr wenige rein weibliche Strukturen. Der Grund liegt neben der wohl entscheidenden Männerdominanz im Netz an sich auch im technischen Bereich. Reine Frauenstrukturen können sich viel leichter im Mailbox-Bereich etablieren. Hier gibt es einerseits die für viele unbefriedigende Möglichkeit, Frauenstrukturen in bestehende Mailboxen einzubinden (z.B. Frauenkonferenzen in der BlackBox), und andererseits die Möglichkeit, eigene Frauennetzwerke aufzubauen (z.B. "FemNet" in Deutschland). In Österreich gibt es in Linz eine Initiative einer reinen Frauenmailbox "Jolanda", und auch in Wien gibt es schon derartige Überlegungen (ein Stützpunkt von "FemNet" existiert dort inzwischen). Frauenmailboxen bieten im Gegensatz zum herkömmlichen Internet die Möglichkeit, eigene Vernetzungsstrukturen für Frauen und Frauenprojekte zu schaffen. Fußnote 13

Die Betreiberinnen von FemNet wollen ein Diskussionsforum anregen, das weder in gemischtgeschlechtlichen Datennetzen noch in vielen Medien zustande kommt. Frauen sollen nicht nur an der internationalen Telekommunikation verstärkt mitwirken und die Scheu vor der Technik verlieren, sondern auch mit ihren eigenen Interessen und Meinungen vertreten sein. "Noch nie konnten sich Frauen so schnell und einfach organisieren." Fußnote 14

Laut einem (auch?) im World Wide Web veröffentlichten Artikel von Leslie Regan Shade (Fußnote 15) ist der genderspezifische Zugang zum Internet schwer zu erfassen und hängt auch vom jeweiligen Netzwerk ab. Der Anteil von Frauen im Netz wird aber auf 10 - 15 % geschätzt. So ist auch der Beitrag von Frauen zu USENET Newsgroups nicht sehr hoch: In unmoderierten feministischen Newsgroups sind 80% der Meldungen von Männern, in moderierten feministischen Newsgroups halten sich Frauen und Männer in etwa die Waage. Als Beispiel dafür, daß verschiedene Netzwerke verschiedenes Publikum anziehen, führt Shade ECHO (the East Coast Hang Out) an: Das Netzwerk wurde von einer Frau, Stacey Horn, initiiert. Der Frauenanteil dort liegt bei 57 %. Dies ist Horn zu verdanken, die Frauen ermutigt in das Netz einzusteigen. Sie bot das erste Jahr von ECHO für Frauen gratis an und das zweite Jahr mit ermäßigten Gebühren. Weiters startete sie diverse Programme zur Unterstützung von Frauen.

Um der Frage nachzugehen, ob es geschlechtsspezifische Unterschiede der Kommunikation und Teilnahme gibt, wenn Frauen ins Netz einsteigen, präsentiert Shade die Studie von Susan Herring der Texas Universität in Arlington, die weibliche und männliche Teilnahme in zwei akademischen elektronischen Listen analysierte und zu dem Schluß kam, daß Frauen und Männer nicht gleichwertig teilnahmen. Eine kleine männliche Minorität dominierte den Diskurs - sowohl durch die Anzahl der Reden wie auch rhetorisch durch sich selbst anpreisende Strategien. Wenn Frauen versuchten, auf einer gleichwertigeren Basis teilzunehmen, riskierten sie, von Männern aktiv zensuriert zu werden, indem diese sie ignorierten oder versuchten, ihre Beiträge zu delegitimieren. Herring sehe nun den Grund für den schnellen Rückzug der Frauen in der Sozialisation - Frauen würden direkten Konflikten eher aus dem Weg gehen. Die Computer-Kommunikationstechnologie setze also bereits bestehende Muster von Hierarchien und männlicher Dominanz fort.



8. UserInnenstrukturen im Internet

44 % aller UserInnen sind zwischen 26 und 30 Jahre alt, wobei über 90 % Männer und über 87 % weiß sind. Auch hinsichtlich der Bildungsstruktur ist das Internet kein Abbild der Gesellschaft, denn 33 % aller UserInnen haben einen Universitätsabschluß. Ebenso liegt das mittlere Einkommen deutlich über dem der Gesamtbevölkerung.

Verzerrt ist auch die geographische Verteilung der Internet-UserInnen:

71 % sind aus Nordamerika, 23 % aus Europa und 3 % aller UserInnen aus Australien.

Das heißt, daß Menschen aus Asien, Afrika und Süd- und Lateinamerika nur 3 % aller NutzerInnen stellen.

Die derzeitigen Schätzungen des Verhältnisses Frauen : Männer im Internet gehen von einem Verhältnis 5:1 aus.

Inzwischen existieren eigene Konferenzen von Soft- und Hardwarefirmen, die zu ergründen versuchen, wie mensch das Internet so gestalten kann, daß Frauen vermehrt daran teilnehmen.

Apple sponserte eine Studie über Frauen, die bereits online sind. Eines der Ergebnisse war, daß z.B. Shopping nicht, wie so oft propagiert, ganz oben in der Prioritätenliste von Frauen im Internet steht. 80 % der Frauen ziehen E-Mail-Kommunikation und Schwarze Bretter vor. Nur 20 % der Frauen geben Shopping eine hohe Priorität. Fußnote 16



9. Untersuchung zu Cross-Gender-Communication

Gladys We untersuchte im Rahmen einer Seminararbeit an ihrer Universität in Vancouver 1993 "Cross-Gender-Communication im Cyberspace". Fußnote 17

Die Situation im Cyberspace in Nordamerika im Jahr 1993 ist nach derzeitigen Annahmen mit der heutigen Situation (1996) in Europa vergleichbar. Insofern könnte mensch die Ergebnisse der Studie auf Europa umlegen. Die Prozentzahl der Frauen, die 1993 in Nordamerika online waren, müßte der Zahl der Frauen, die derzeit in europäischen Ländern online sind, entsprechen.

Die Autorin geht vom Begriff der "Computer mediated communication (CMC)" aus. Sie versteht darunter sämtliche Arten der Kommunikation, die über Computer laufen. "The social implications of CMC are vast, from its potential ability to overthrow centralized control of information to its potential ability to help people, no matter what their gender, race, or physical appearance, communicate with each other with fewer prejudices and misunderstandings than any other medium in existence. In many ways, the online world, named 'cyberspace' by William Gibson, has its own culture, morals, and expectations, but in just as many ways, it replicates the biases, contradictions, and prejudices of our society."

Die Untersuchung Wes stützt sich auf eine Stichprobe von 25 Personen, eine Zahl, die bei einer Grundgesamtheit von mehreren Millionen UserInnen nicht sonderlich hoch erscheint. Gladys We führte die Untersuchung durch, indem sie ihren Fragebogen in den unten angeführten Newsgroups und Mailinglisten postete. Interessant dabei war die Verteilung der männlichen bzw. weiblichen SchreiberInnen in den Newsgroups.

Verhältnis Frauen : Männern in folgenden Newsgroups:
Alt.feminism participant count (303 responses)
11 % women 83 % men 6 % undeterminable
Soc.women participant count (292 responses)
13 % women 78 % men 9 % undeterminable
Soc.feminism participant count (47 responses)
53 % women 40 % men 7 % undeterminable


In diesen Newsgroups und mailing lists wurden die Fragen gepostet:

Usenet Newsgroups:
alt.feminism: Unmoderated newsgroup on women and feminism.
soc.women: Unmoderated newsgroup on women and feminism. Content is very similar to alt.feminism, and many messages are cross-posted to both newsgroups.
soc.feminism: Moderated newsgroup on feminism. Only messages which are approved by the moderators are posted.

Mailinglists:
Comgrads: List for discussion of issues relevant to communication graduate students.
IAMCRnet: A service of the International Association for Mass Communication Research. Members are professionals in communications.
Peter Gabriel: mailing list for discussion of the music of Peter Gabriel.
Sappho: mailing list for lesbian and bisexual women. No men may join.
Tomi Amos: mailing list for discussion of the music of Tori Amos.
Usenet.hist: private mailing list for the discussion of the history of usenet.

Die Fragen, die We in ihrem Fragebogen stellt, erscheinen uns z.T. sehr suggestiv. Dementsprechend verwundern uns die Ergebnisse auch nicht: Wes Thesen werden bestätigt. Sie führt hauptsächlich Einzelerfahrungen von Personen an und trifft kaum allgemeingültige Aussagen, was der Autorin bei der Anzahl der Stichprobe hoch anzurechnen ist.

Fragebogen:

Frage 1. In your experience, do men and women communicate with each other differently online than face-to-face? (Yes or No)
a. If yes, then in what ways? If no, then why not?
b. Please give an example or examples from your own experience, including a description of the circumstances in which your example(s) occurred. (ie. usenet, email, muds, etc.)

1. Women Men Total
Yes 10 (91 %) 12 (86 %) 22 (88 %)
No 1 (9 %) 2 (14 %) 3 (12 %)

Frage 2. When you're communicating online, are you aware of the gender of the person with whom you're communicating? (Yes or No)
a. Do you write your responses differently for women than for men?
b. Please give an example or examples from your own experience, including a description of the circumstances in which your example(s) occurred. (ie. usenet, email, muds, etc.)

2. Women Men Total
Yes 8 (73 %) 9 (64 %) 17 (68 %)
No 3 (27 %) 5 (36 %) 8 (32 %)

2a. Women Men Total
Yes 5 (45 %) 4 (29 %) 9 (36 %)
No 5 (45 %) 10 (71 %) 15 (60 %)
no answ. 1 (9 %) - 1 (4 %)

Frage 3. Do you think that women communicate differently online than face-to-face? If so, in what ways? (ie. more or less active?)
a. Please give an example or examples from your own experience, including a description of the circumstances in which your example(s) occurred. (ie. usenet, email, muds, etc.)

3. Women Men Total
Yes 6 (55 %) 8 (57 %) 14 (56 %)
No 4 (36 %) 4 (29 %) 8 (32 %)
Unsure 1 (9 %) 2 (14 %) 3 (12 %)

Frage 4. Communication face-to-face, and even by telephone, is gendered because of physical cues such as dress, age, voice, etc. These cues are not transmitted online. How does the absence of these cues affect you?
a. Please give an example or examples from your own experience, including a description of the circumstances in which your example(s) occurred. (ie. usenet, email, muds, etc.)

ad 4.Bei dieser Frage führt We mehrere Beispiele an. Sie schließt aus den Antworten, daß im Cyperspace eine gewisse Art der Intimität bei textorientierten Interaktionen entstehen kann, bei der sich manche Menschen schneller "outen" als sie dies im "real life" tun würden.

Frage 5. How important is gender to you in the presentation of yourself online? (On a scale of 1-5 where 1 is not important and 5 is very important)
a. How important is gender to you in the presentation of others online? (On a scale of 1-5 where 1 is not important and 5 is veryimportant)
b. How are your online experiences of gender different from your face-to-face experiences?
c. Please give an example or examples from your own experience.

5. Women Men Total
(1) 1 (9 %) 7 (50 %) 8 (32 %)
(2) 2 (18 %) 1 (7 %) 3 (12 %)
(3) 4 (36 %) 3 (21 %) 7 (28 %)
(4) 1 (9 %) 1 (7 %) 2 (8 %)
(5) 3 (27 %) 2 (14 %) 5 (20 %)

Thanks for getting this far! Now there are only two easy questions:

1. Are you male or female?
2. In which newsgroup or mailing list did you see this questionnaire?



10. Frauen im Cyberspace - Projekte in Ex-Jugoslawien

Die derzeitige Strukturierung der Computerkommunikation dient nicht in gleichem Maße Frauen und Männern, Homosexuellen und Heterosexuellen, AnalphabetInnen und Gebildeten, der ArbeiterInnenklasse und den Intellektuellen, sowie Menschen aus ländlichen Gebieten und aus Großstädten.

Turnipseeds (Fußnote 18) These nach, dient E-Mail, oder wie sie es auch nennt, computervermittelte Kommunikation, denjenigen, die im Zentrum der Gesellschaft stehen.

Die Autorin steht E-Mail äußerst leidenschaftlich gegenüber. Vor allem deshalb, da sie der Meinung ist, E-Mail würde das Potential beinhalten, politisch errichtete Barrieren zu überwinden, die Kommunikation, den Zugang zur richtigen Information zum richtigen Zeitpunkt und den Aufbau von Beziehungen verhindern sollen.

Elektronische Netzwerke werden in dem Sinn gesehen, daß sie Frauen den Zugang zu einem grundlegenden Menschenrecht, jenem auf Zugang zu Informationen, bieten. Frauen sollen so die Möglichkeit bekommen, sinnvoll an Entscheidungsprozessen teilzuhaben.



11. E-Mail-Kommunikation in Ex-Jugoslawien:

"ZaMir Transnational Network" ist ein nichtkommerzieller Anbieter, der sich als Ziel gesetzt hat kostengünstige Kommunikationsdienste anzubieten. (ZaMir = Für Frieden)

Besonders in den Staaten von Ex-Jugoslawien werden Frauenrechte angriffen, sind Frauen in der öffentlichen Sphäre weniger präsent und sind de facto nicht in Entscheidungsprozesse auf staatlicher Ebene eingebunden. Das Frauenbild, das vom Staat und seinen Medien konstruiert ist, reduziert Frauen auf ihre Sexualität oder die Rolle als "Patriotenmutter".

E-Mail spielt für Frauenorganisationen, die versuchen dieser Festlegung auf traditionelle Rollen gegenzusteuern, eine enorm wichtige Rolle. Frauen, die außerhalb traditioneller Strukturen arbeiten, haben so die Möglichkeit sich zu vernetzen, zu informieren, Beziehungen zu pflegen und an weltweiten Bewegungen für soziale Veränderungen zu partizipieren.

ZaMir wurde 1992 gegründet. Getragen wurden diese Bestrebungen von der Antikriegskampagne in Zagreb und dem Zentrum für Antikriegsaktion in Belgrad. Heute verfügt ZaMir über 7 Server und 1.700 Mitglieder.



12. Electronic Witches:

Dieses Projekt wurde 1994 initiiert, um den Frauenzugang zum Internet zu verbreitern. Slogan dieses Projekt ist: "Be activ. Be emancipated."

E-Mail-Technologie spiegelt eine männliche Technologiekultur wider. Entworfen und entwickelt wurden die Systeme von Männern. Für Frauen werden diese Technologien immer nur verfügbar gemacht. Die Problematik in Ex-Jugoslawien ist aber nicht wie in großen Teilen Resteuropas, die Motivation, Beherrschung, Zutrauen, Zeit, Engagement und Haltungsänderungen zu erwerben, sondern der simple Erwerb von Hard- und Software.

Gearbeitet wurde mit über 100 Frauen aus mehr als 30 Organisationen. Besonders auffällig wurde, wie schon hinlänglich bekannt, daß die Anfangshürde der allgemeine Zugang zum Computer ist. Frauen lernen Computer als Männerdomäne kennen, sie werden regelrecht mystifiziert.

Ansatz der Elektronic Witches ist es auf möglichst einfachem Weg, Frauen den Zugang zum Computer und so auch zu E-Mail zu ermöglichen. Die zentrale Fragestellung ist: "Wie integriere ich E-Mail in meinen Alltag?"

Beobachtbar wurde, daß Frauen E-Mail schnell zum Austausch mit KollegInnen, GeldgeberInnen, usw. nutzen - ebenso für Verbindungen zu internationalen Organisationen, persönliche Beziehungen und Organisationsaktivitäten.

Wofür E-Mail genutzt wird:

Frauen benutzen E-Mail vor allem für ihre eigenen Bedürfnisse. Die Schranke, Meinungen in öffentlichen Foren zu veröffentlichen, ist bei Frauen bedeutend stärker als bei Männern.

Eine kleine Untersuchung wurde durchgeführt, als Kroatien im Juli 1995 Militäraktionen begann, um die Krajina zurückzuerobern. Wichtige Informationen über diese Aktionen wurden per E-Mail an die Anti War Conference geschickt. Die Mehrzahl der Meldungen wurde auf Englisch verfaßt und von Männern geschickt.

Durch diese Militäraktionen waren aber vor allem Frauen betroffen, doch nur in 14 % der Meldungen kam das Wort "Frauen" auch vor. Der Kontext in dem das Wort "Frauen" vorkam, war in den meisten Fällen in Verbindung mit Vergewaltigungen oder in der Formulierung "Frauen, Kinder und alte Menschen".

Konklusio:

Das Zitat, das uns die Autorin abschließend mit auf den Weg gibt, könnte allen Frauen einen Weg des Umgangs mit diesem neuen Medium zeigen:

"Frauen müssen tief ins Internet, ins Web, in die Gopher, das E-Mail-System einsteigen -
und so zentral, daß wir nicht an den Rand geschubst werden können, wo wir nur noch zugucken, was andere tun."



13. Thesen

1.
Elektronische Kommunikationsnetze tendieren dazu, die Unausgewogenheit der Druck- und Sendemedien in Frauenpartizipation und - repräsentation zu übernehmen.

2.
Bewegung von Frauen in Zentrum der elektronischen Netze wird leichter zu bewerkstelligen sein, als bei anderen Massenkommunikationsmitteln.

3.
Lokalen Sprachen soll bei der Entwicklung von Online-Gemeinschaften und bei der Errichtung von Konferenzen Vorrang gegeben werden.

4.
Frauen müssen Informationen aus E-Mail-Konferenzen weiterverbreiten und Informations-Sharing-Mechanismen entwickeln.

5.
In Ländern, in denen die Mehrheit der Druck- und Sendemedien staatlich kontrolliert werden, müssen vermehrt alternative Medien unterstützt und entwickelt werden.

6.
E-Mail muß vermehrt öffentlich zugänglich gemacht werden. (z.B. Internet in Bibliotheken.)

7.
Gender-Sensitivity-Trainings für Network-Support-Personal und KonferenzmoderatorInnen ist notwendig, um eine Situation zu schaffen in der Frauen der Zugang und die Nutzung von E-Mail leichter fällt.

8.
Die Ungleichheit zwischen "Informationsreichen und Informationsarmen" muß ausgeglichen werden, indem verstanden wird, daß Unterdrückungsformen (Sexismus, Rassismus, ...) Ungleichheit perpetuieren und Gruppensolidarität erschweren.

9.
Frauen müssen ihr Menschenrecht auf Information sicherstellen, in dem sie die Führung in der Demokratisierung übernehmen und eine Art "Frauendenken" fördern.

10.
Eines der Lernfelder ist, daß E-Mail und Schwarze Bretter für politische Aktivitäten genutzt werden können. In den USA ist es z.B. gelungen, durch die Benutzung von On-line Bulletins innerhalb von zwei Stunden hunderttausende Unterschriften zu sammeln.



14. Zusammenfassung

Die Bedeutung von E-Mail wird in Zukunft immer größer werden. Diese neue Art zu kommunizieren wird andere Kommunikationsformen ergänzen - z.B. Anrufbeantworter. Wie in den USA bereits üblich, wird auch in Europa in naher Zukunft die Firmenkorrespondenz via E-Mail zur Selbstverständlichkeit werden. Dabei wird es wichtig sein, daß Frauen sich aktiv an der Planung und Entwicklung von Netzwerken so früh wie möglich beteiligen. Geschlechtsspezifische Folgenabschätzungen sollen vermehrt vorgenommen werden, und Frauen sollen sich an Entscheidungsprozessen beteiligen.

Frauen sollen aus der Position des Nichtwissens heraustreten, ihre Möglichkeiten nutzen und somit auch die Bequemlichkeit der "Opferstellung" ablegen. Wir müssen den Mythos Computer bzw. Internet zerstören, unsere Berührungsängste abbauen und den Vorhang des reinen Anwendens lüften!



15. Literatur:

Alspach, Ted. Internet E-Mail. Quick Tour. International Thomson Publishing. Bonn, Albany u.a. 1996.

Angell, David / Heslop, Brent. The Elements of E-Mail Style. Communicate Effectively via Electronic Mail. New York, Amsterdam u.a. 1994.

Blum, Daniel J. / Litwack, David M. The E-Mail Frontier. Emerging Markets and Evolving Technologies. New York, Amsterdam u.a. 1995.

Der Standard. Album. 24.02.95, S. 1 - 2.

Fleissner, Peter. Der Mensch lebt nicht vom Bit allein ... Information in Technik und Gesellschaft. Frankfurt am Main u.a. 1996.

Maier, Gunter und Wildberger, Andreas. In 8 Sekunden um die Welt. Wien, 1995

PC Test Spezial. Internet. Oktober 1995.

Shade, Leslie Regan. Gender Issues in Computer Networking. Talk given at: Community Networking: the International Free-Net Conference. Carleton University, Ottawa, Canada. August 17 - 19, 1993.

Strossen, Nadine. Menschenrechte und Frauenrechte im Neuen Informationszeitalter. In: Frauenanstiftung e.V. (Hg.). Auf dem Weg in die "Kabeldemokratie"? Frauen in der Medien- und Informationsgesellschaft. Dokumentation der Frauenpolitischen Konferenz 1995. Hamburg 1995. S. 12 - 21.

Turnipseed, Kathryn. Frauen im Cyberspace - vom Rand ins Zentrum. In: Frauenanstiftung e.V. (Hg.). Auf dem Weg in die "Kabeldemokratie"? Frauen in der Medien- und Informationsgesellschaft. Dokumentation der Frauenpolitischen Konferenz 1995. Hamburg 1995. S. 58 - 67.

Unique. Nr. 1/96, S. 3.

Vorarlberg Online. Ausgabe 3 vom 16.12.1995, S. 3.

We, Gladys. Cross-Gender-Communication in Cyberspace. Paper for CMNS 855. Simon Fraser University. Vancouver 1993.


Fußnoten:

  1. We, Gladys. Cross-Gender-Communication in Cyberspace. Paper for CMNS 855. Simon Fraser University. Vancouver 1993. back
  2. Zur Geschichte vgl. Blum, Daniel J. / Litwack, David M. The E-Mail Frontier. Emerging Markets and Evolving Technologies. New York, Amsterdam u.a. 1995. S. 18f. back
  3. Vgl. Alspach, Ted. Internet E-Mail. Quick Tour. International Thomson Publishing. Bonn, Albany u.a. 1996. S. 24. back
  4. Vgl. PC Test Spezial. Internet. Oktober 1995. S. 4. back
  5. Ebd., S. 5. back
  6. Vgl. Alspach, Ted. Internet E-Mail. A.a.O., S. 53. back
  7. Vgl. Fleissner, Peter. Der Mensch lebt nicht vom Bit allein ... Information in Technik und Gesellschaft. Frankfurt am Main u.a. 1996. S 246. back
  8. Vgl. Vorarlberg Online. Ausgabe 3 vom 16.12.1995, S. 3. back
  9. Alspach, Ted. Internet E-Mail. A.a.O., S. 113f. back
  10. Angell, David / Heslop, Brent. The Elements of E-Mail Style. Communicate Effectively via Electronic Mail. New York, Amsterdam u.a. 1994. S. 8. back
  11. Vgl. Fleissner, Peter. Der Mensch lebt nicht vom Bit allein. A.a.O., S. 246. back
  12. PC Test Spezial. Internet. A.a.O., S. 5. back
  13. Vgl. Unique. Nr. 1/96, S. 3. back
  14. Der Standard. Album. 24.02.95, S. 2. back
  15. Shade, Leslie Regan. Gender Issues in Computer Networking. Talk given at: Community Networking: the International Free-Net Conference. Carleton University, Ottawa, Canada. August 17 - 19, 1993. back
  16. Vgl. Strossen, Nadine. Menschenrechte und Frauenrechte im Neuen Informationszeitalter. In: Frauenanstiftung e.V. (Hg.). Auf dem Weg in die "Kabeldemokratie"? Frauen in der Medien- und Informationsgesellschaft. Dokumentation der Frauenpolitischen Konferenz 1995. Hamburg 1995. S. 12 - 21. back
  17. We, Gladys Cross-Gender-Communication in Cyberspace. A.a.O. back
  18. Vgl. Turnipseed, Kathryn. Frauen im Cyberspace - vom Rand ins Zentrum. In: Frauenanstiftung e.V. (Hg.). Auf dem Weg in die "Kabeldemokratie"? Frauen in der Medien- und Informationsgesellschaft. Dokumentation der Frauenpolitischen Konferenz 1995. Hamburg 1995. S. 58 - 67. back

(c) 1997, by Andrea Schaffar und Daniela Yeoh
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letzte Änderung am 18.1.1997

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