Frauen und neue Kommunikationstechnologien


JUGENDARBEIT IM UND MIT DEM INTERNET

Ruth Barosch, Agnes Neumüller und Elke Dergovics




Internet, was ist das?


Diese Frage stellten wir Jugendlichen auf der Straße und überraschenderweise war das Wissen um die neue Technologie meist eher gering. Die Jugend von heute ist doch angeblich so technisch versiert und kennt sich überall bei Computern aus. Liegt dieses mangelnde Wissen nun an dem geringen Angebot mit Internet zu arbeiten oder bietet sich nichts Interessantes im neuen Medium für Jugendliche an? Diese Frage versuchten wir in diesem Semester zu erforschen, was nicht immer leicht war.

Ziel unserer Arbeit ist es, den Ist-Stand der Jugendarbeit im und mit dem Internet in Wien bzw. Österreich herauszufinden und klar aufzulisten. Eines muß jedoch gleich klargestellt werden: Gerade zur Zeit entwickelt sich im Bereich Jugendarbeit und Internet sehr viel und sehr rasant, sodaß diese Arbeit höchstwahrscheinlich schon nach einigen Wochen nicht mehr aktuell ist und Lücken aufweist.
Mit Interviews versuchten wir die Lage zu erforschen. Jugendliche und Mitarbeiter der Institutionen für Jugendliche wurden befragt. Literatur zu finden, war leider nicht möglich, da dieses Thema anscheinend wirklich noch in den Kinderschuhen steckt. Der "Situationsbericht" über Jugendarbeit im und mit dem Internet wird sich in folgende Teile gliedern:

1. Gedanken zum Sinn und Ziel einer Arbeit mit Jugendlichen und dem Internet bzw. Mailboxen

2. Derzeitiger Stand der Jugendarbeit mit dem Internet bzw. Mailboxen ( Ziele, Vorgangsweisen...), Mädchen im Internet

3. Jugendliche im Internet am Beispiel von Anita und Roland vom "virtuellen Jugendzentrum"

4. Projektmappe mit diversen Projekten die von oder für Jugendliche im Internet installiert sind.

Wie schon erwähnt ist dieser Bericht sicherlich und auch hoffentlich nicht vollständig, da neue Projekte im entstehen sind. Wir danken auch unseren Interviewpartnern vom ÖKS, AEC, Jugendinfo Bellariapassage, Jugendinfo am Franz Josefskai, Anita und Roland vom virtuellen Jugendzentrum, Franz Kratzer vom Verein Wiener Jugendzentren und Romana von der Black Box.


1. Gedanken über Sinn und Ziel einer Arbeit mit Jugendlichen im/mit Internet bzw. Mailboxen



Um uns selbst einen Bezug zu der Thematik zu verschaffen, mußte sich unser Team, noch bevor wir aktiv ins Geschehen eintauchten, einer gedanklichen Auseinandersetzung, über die Sinnhafigkeit von der Arbeit mit Jugendlichen in diesem, noch sehr speziellen Bereich stellen.

Grundsätzlich waren wir alle drei im besonderen Maße an der Auseinandersetzung mit Jugendlichen interessiert, da alle Gruppenteilnehmerinnen, zwar in verschiedenen Ausmaß, Erfahrungen in der Jugendarbeit mitbrachten und nach wie vor damit konfrontiert sind. Neu war für uns natürlich der Aspekt, daß wir diese Erfahrungen in Verbindung mit neuen Technologien aufarbeiten würden, aber diese Kombination von etwas Vertrauten und etwas auch für uns gänzlich Neuem erschien uns, als besonders reizvoll, da wir, wie schon erwähnt selbst Internet-Einsteigerinnen sind.

Am Anfang unserer Überlegungen stand natürlich die Frage, ob wir uns überhaupt die Frage nach einer Sinnhaftigkeit im Bezug auf Jugendarbeit, sei es aus welchem Blickwinkel auch immer, stellen dürfen. Denn Faktum ist nun einmal, daß ohne auf die speziellen Problematiken, die dieses Medium mit sich bringt, es so etwas wie eine Grundverpflichtung gegenüber der Arbeit mit Jugendlichen gibt und die Thematik "Internet" in erster Linie für "ETWAS" steht, mit dem sich diese Altersgruppe aus einander setzt, auseinander setzen sollte ??? Auf jeden Fall wird sie, oder ist sie bereits damit konfrontiert und somit ist die Notwendigkeit, sich auch in der Arbeit mit Jugendlichen mit dieser Thematik zu beschäftigen, schon gegeben.

Ohne uns über die Tragweite dieses vernetzten Systems ein präziseres und realistisches Bild verschafft zu haben, hatten wir schon eine ungefähre Vorstellung davon, daß es sich hierbei um ein Medium handelt, daß eine kaum vorstellbaren Dimension einnimmt, und wir stellten uns natü,rlich die Frage, wie können Erzieher(innen), Jugendbetreuer(innen), Lehrer(innen), aber auch Eltern und zu guter letzt die Jugendlichen selbst, dieses umfangreiche Medium in ihrer Arbeit mit Jugendlichen und dieses auch untereinander nützen?
Warum uns diese Frage, als so wichtig erschien, ist eigentlich auch sehr leicht zu beantworten. Wenn wir uns nämlich die Möglichkeiten der Nutzbarkeit vor Augen führen, können wir viel leichter auf die Sinnhaftigkeit und auch auf ein wünschenswertes Ziel im Umgang mit Internet eingehen.

Bei unseren Recherchen kamen wir vor allem zu folgenden Erkenntnissen:

Im Schulbereich wurde uns sowohl von Schüler-, als auch von Lehrerseite das Internet als ein Medium dargestellt, daß auf Grund seiner imensen inhaltlichen Dimension als ein Informationträger fungieren kann. In der Realität schaut das bis jetzt so aus, daß diejenigen Schüler, die in der Schule, oder auch zu Hause einen Zugang zu diesen Medium hatten, es auch teilweise benützen um z. B. Hausarbeiten, Referate, etc. vorzubereiten. Da dies natürlich vor allem eine Kostenfrage ist, wird die, wenn vorhandene Euphorie, stark gebremst. Lehrer haben es da schon etwas leichter, da ja ein kostenloser Zugang für sie über das Black Board geplant ist. Ein absolutes Zukunftsprojekt, wäre die Vernetzung von allen Schulen um den Informationsfluß und die Zusammenarbeit zwischen diesen zu stärken.
Da die komplete Selbstverwaltung und Autonomie der Schulen immer näher rückt, wird es, glauben wir, immer wichtiger Neuigkeiten, über z.B. Projekte, Veranstaltungen .... auszutauschen. So haben auch die Schüler bzw. die Lehrer die Möglichkeit ein Disskusionsforum, daß sowohl im Bereich des Lernens, als auch im Bereich der Freizeit angesiedelt ist, zu bilden.

Ein anderes Gebiet der Jugendarbeit, wäre jenes der Jugendzentren. Für sie gelten im Großen und Ganzen ähnliche Nutzbarkeitskapazitäten wie im Schulbereich. Der Austausch von Information, die Möglichkeit über Probleme untereinander zu "chaten", Veranstaltungen bekannt geben, Betreuung durch Ezieher(innen), etc.

Interessant erschien uns auch die Möglichkeit der Beratung von Jugendlichen, die durch die sogenannte "Anonymität" auch einen absoluten Vorteil daraus ziehen, indem ihre Hemmschwellen vielleicht eher überwunden werden können, als wenn sie "face to face" in eine Beratungsstelle gehen müssen. Natürlich ist uns klar, daß diese Anonymität auch eine Gefahr in sich birgt, aber für Jugendliche, die mit einem, oder mehreren Problemen zu kämpfen haben, bedeutet es oft ein Mehr an Kraftaufwand und Stress, wenn sie auch noch mit jemanden direkt darüber reden müssen. Wir sehen diese Form der Beratung als erste Anlaufstelle. Ein weiterer Schritt, wäre dann natürlich, auch die direkte Kommunikation mit Sozialarbeitern, Psychologen und Betreuern.

Zu guter letzt, wären noch die Jugendinfostellen zu erwähnen, die in mehr oder weniger großen Schritten anfangen, sich untereinander zu vernetzen. Das Wort Infostelle beinhaltet eigentlich schon alles und bedarf keiner großartigen weiteren Erklärungen. Sie haben wie alle Jugeninfos, die Aufgabe Jugendliche über Events, Konzerte, Reisen, Kurse,... zu informieren. Das hierbei das Internet eine große Hilfe sein kann, ist auch keine Frage.
Die vorhergehenden Gedanken decken aber nur teilweise unsere Überlegungen ab. Einige Bereiche möchten wir noch anhängen, da sie nicht unbedingt an Institutionen gekoppelt sind, aber natürlich künnen sie besonders dort genützt werden:
a) Da wäre die Förderung, oder auch die Ausseinandersetzung mit Kreativität. Zum Beispiel beim Erstellen einer Homepage. Wie setzt ich meine graphischen und künstlerischen Vorstellungen im Computer um?
b) Apropos Technik: Jugendliche können so lernen, mit neuen Technologien um zugehen, was wiederum ein schon fast unverzichtbares Muß in unserem schnell wechselnden Zeitalter ist.
c) Kommunikation: Es gibt viele Kritiker, dieser Form von Kommunikation. Für uns gilt folgender Standpunkt. Wenn sprechen und erleben untereinander nicht ausschließlich auf "surfen" im Internet beschrä,nkt ist, ist es eine absolut legitime Form des Austauschens.

Um unsere Überlegungen zur Sinnhaftigkeit von Jugendarbeit im Internet zum Abschluß zu bringen, möchte ich noch kurz, auf die Zielvorstellungen eingehen: Ein für uns wünschenswertes Ziel, wäre die effiziente, aber ebenso kritische Auseinandersetzung mit diesem, für uns doch noch relativ neuen Medium.

Ein interessantes Endprodukt wäre, ein Diskussionsforum, via Internet, welches Jugendliche und Betreuer(innen), Lehrer(innen)... ebenso benützen, um sich über die Effizienz dieser Kommunikationsmöglichkeit (Geschwindigkeit?, wie komme ich zu welcher Information?.....) unterhalten kö,nnen. Somit arbeiten sie in diesem und unterhalten sich über dieses Medium.


2. Jugendliche im Internet:


Zu Beginn dieses Semesters (WS 1996/97) hatten wir mit Hilfe einer Videokamera eine kleine Umfrage gestartet, um herauszufinden, wie gut die Jugendlichen in Wien über das Internet informiert seien. Diese Umfrage ist auf keinen Fall mit einer repräsentativen Umfrage zu vergleichen. Jedoch bemühten wir uns gleich viele Mädchen wie Burschen zu interviewen. Insgesamt befragten wir etwa 30 Jugendliche.

So begaben wir uns auf die Straßen Wiens und befragten zum größten Teil Jugendliche, die gerade aus dem Unterricht kamen, wie es um ihre Erfahrungen rund um das Internet steht. Wir mußten feststellen, daß die Mehrheit der Jugendlichen kaum über das Internet Bescheid wußte, und noch nie im Cyberspace gesurft ist.

Frage: Was sagt Dir der Begriff Internet und hattest Du schon Erfahrungen mit dem Internet?

Antworten: "Ja, ich habe schon davon gehört- Datenhighway und so. Aber gesurft bin ich noch nie!" -
"Da werden verschiedene Computer vernetzt, aber genau weiß ich leider nicht worum es hier geht." -
"Der Begriff Internet sagt mir schon etwas. Wir haben zu Hause einen Anschluß und ich surfe regelmäßig." -
"Leider habe ich keine Ahnung, was das Internet genau sein soll - sorry!" - "Es ist wirklich schade, daß wir noch keinen Anschluß in der Schule haben."

Wie man aus der letzten Wortmeldung entnehmen kann, bedauern viele Jugendliche, daß es noch keinen Internetanschluszlig; in ihrer Schule gibt. Hier muß in den nächsten Jahren auf jeden Fall noch viel Arbeit geleistet werden. Natürlich spielt das Finanzproblem eine große Rolle, da das Budget generell für Schulen sehr klein ist. Daher besteht im Moment noch nicht die Möglichkeit, jede Schule mit einem Internetanschluß zu versorgen.

Sehr ähnlich sieht die Situation in den Jugendzentren aus, wenn nicht sogar etwas schlechter. Denn in den Jugendzentren gibt es oft nur einen Computer, der auch für organisatorische Zwecke benötigt wird. D.h. die Jugendlichen künnen den Computer nur dann benützen, wenn er nicht vom Sekretariat gebraucht wird. Selbst wenn mehrere Computer zu Verfügung stehen, sind die meisten nicht mit einen Internetanschluß versehen.

Es wäre jedoch sehr erstrebenswert und wünschenswert, wenn für die Erstellung der Internetanschlüsse in den Schulen und Jugendzentren mehr Geld seitens der Regierung zu Verfügung gestellt werden würde. So hätten auch jene Jugendliche die Chance die virtuelle Welt zu erforschen, die aus nicht sehr wohlhabenden Bevölkerungsschichten stammen. Denn das "Internetanschlu&szlih;problem" scheint an die Zugehörigkeit an bestimmten Gruppierungen gekoppelt zu sein, d.h. Jugendliche aus wohlhabenderen Bevölkerungsschichten haben verständlicherweise eher die Möglichkeit einen Zugang zum Internet zu bekommen, als jene aus den Unterschichten. Am begünstigten sind Teenies, deren Eltern einen Internetanschluß beispielsweise aus beruflichen Gründen besitzen. Hier können die Jugendlichen das Internet mitbenutzen. Dies war auch deutlich aus unseren Interviews herauszuhören.

"Das Büro meines Vaters ist bei uns zu Hause. Da das Internet auch meinem Vater im Beruf von Nutzen ist, hat er beschlossen sich einen Anschluß zu besorgen. Am Abend darf ich dann auch in Internet "herumsurfen". Das Internet ist auch mir eine große Hilfe, wenn ich zum Beispiel für die Schule bestimmte Informationen sammeln muß. Sonst schaue ich mir an, was sich Neues in der Musikszene abspielt." (Romana, 15 Jahre)

Derzeit gibt es an folgenden Stellen die Möglichkeit gratis oder kostengünstig für Jugendliche im Internet zu surfen:
A2 Südpol (2334 Vösendorf Süd)
Blue Box (7., Richtergasse 8)
Cafe Stein (9.,Währinger Straße)
Cyber Cafe (1., Laurenzerberg, Postpassage)
Halle 25 (2. Messegelände)
Internet-Atelier (7., Zieglergasse 29/2/22)
Jugend Info des Bundesministeriums (1., Franz- Josefs-Kai 51)
Libro (22.,Donauzentrum)
Media Markt (Vösendorf; 21.,Brünner Straße; 11., Landwehrstraße 6)
Polycollage Stöberstraße (5., Stöberstraße 11-15)
Skatelab (2., Engerthstraße/Walcherstraße)

Ich möchte jedoch bemerken, daß diese Liste laufend erneuert wird, da immer mehr Stellen mit Internetanschluß versorgt werden. Eine aktuelle Liste ist bei der Jugendinfo, 1., Bellaria- Passage erhältlich.

Natürlich gibt es auch unter den Jugendlichen die sogenannten Internet - Freaks. Das sind jene Teenies, die stundenlang vor den Bildschirmen sitzen und sich in das Internet vertiefen. Ein Junge, den wir in der Jugend- Info des Bundesministerium getroffen und interviewt haben , hat uns erzählt, daß er mindestens einmal pro Woche in die Jugend Info zum Surfen kommt. Er sucht sich neue Tips und Tricks für Spiele am Computer heraus. Gleiches wurde uns im Ars Electronica in Linz berichtet. Auch hier kommen die sogenannten Freaks, manche mehrmals pro Woche, um in die virtuellen Welt einzutauchen. Weiters darf man die Jugendlichen nicht vergessen, die zu Hause vor dem Computer Stunden verbringen, um im Internet zu surfen. Jedoch sind dies im Vergleich zur breiten Masse sehr wenige.

Neben dem Internet gibt es noch den großen Bereich der Mailboxen, wie zum Beispiel die Black Box. Jugendliche, die ein Modem besitzen, bevorzugen oft die Mailboxen, denn die Nutzung ist hier weniger kostenaufwendig als im Internet. Gerade die Black Box ist sehr beliebt, weil es eine Freebox ist, d.h. 45 Minuten am Tag darf jeder Teilnehmer die Mailbox gratis benützen.

Die beliebteste Nutzung bei den Jugendlichen ist das CHATEN in den Mailboxen. Man kann sich in Diskussionsrunden einwählen und seine eigene Meinung via Bildschirm preis geben. Die meisten Jugendlichen kommen über das Chaten in die Black Box und in weiterer Folge in das Internet, erst nach einiger Zeit beginnen sie konkrete Informationen zu suchen, also zielgerichtet mit dem Medium zu arbeiten.

Die Black Box hat derzeit zirka 6500 User, wobei die Verteilung Frauen(Mädchen)/ Männer(Burschen) 1:2 liegt. Der weibliche Anteil ist jedoch in den Mailboxen generell höher als im Internet, denn hier beschränkt er sich auf zirka 10%. Die Anzahl der weiblichen Teilnehmer nimmt sowohl in den Mailboxen als auch im Internet ständig zu.

Auf die Frage, ob es einen geschlechtsspezifischen Unterschied bei der Zugangsweise an das Internet gibt, wurde uns folgendes gesagt:
Generell ist das Interesse am Internet sowohl bei Mädchen als auch bei Burschen sehr hoch. Mädchen neigen jedoch eher dazu, bei Schwierigkeiten sofort nach Hilfe zu suchen. Burschen hingegen probieren zuerst das Problem selbst zu lösen. Der Verein Jugendzentren der Stadt Wien veranstaltet Computertage für Jugendliche, teilweise auch mit einer kleinen Interneteinschulung. Hierbei wurde beobachtet, daß die Mädchen zuerst den Einstieg ins Internet finden und mit ihrer Hilfe auch die Burschen. Jedoch zeigen die Burschen in weiterer Folge mehr Ausdauer.

Mädchen im Internet:

Wir stiegen ins Internet ein und machten uns auf die Suche nach speziellen Angeboten für Mädchen. Darunter verstehen wir, geschützte Zonen, die sich eingehend mit den Problemen der Mädchen im Alter von etwa 13-18 Jahren befassen. Es ist kein Problem, sich über die neuesten Modetrends zu informieren oder sich in die aktuelle Musikszene ein zu klicken, hier finden die Jugendlichen ausreichend Angebote. Jedoch sollte nicht nur die Möglichkeit bestehen, sich über Freizeitangebote und Trends zu informieren, sondern es müßte Zonen geben, wo die Mädchen im speziellen Fall via Bildschirm zu bestimmten Themen und Problemen, wie Beziehung, Pubertätsprobleme, Gleichberechtigung, Probleme innerhalb der Familie, usw. Aktionen setzen, sich zu Wort melden können und gleichzeitig Rat von anderen Betroffenen und kompetenten Personen, wie etwa einem Pädagogen oder einem Psychologen einholen können. Kurz gesagt, sollte den Mädchen eine Zone geboten werden, in der sie über spezielle Themen per Chat via Internet bzw. Mailboxen kommunizieren können.

Wie oben erwähnt begaben wir uns auf die Suche nach solch einer Zone, wir begrenzten uns auf Österreich. Leider sind wir nicht sehr fündig geworden. Die einzige uns bekannte Zone, die unseren Vorstellungen entspricht, ist die geschützte Frauenzone, die die Black Box, also eine Mailbox anbietet. Diese geschützte Frauenzone ist generell für Frauen gedacht, jedoch beteiligen sich bereits Mädchen im Alter von 14 Jahren daran. Es werden hier Diskussionen zu speziellen Frauenthemen, wie zum Beispiel Emanzipation, die Rolle der Frau im Berufsleben, Beziehungen usw. aufgeworfen.

Um sich in diese Frauenzone einlocken zu können, ist es zuerst notwendig, sich eine Art Lizenz von einer Mitarbeiterin der Black Box zu besorgen, indem man volle Adresse und Telefonnummer angibt. Nach einem Kontrollanruf wird der Teilnehmer in die Zone gestellt.

Laut einer Mitarbeiterin der Black Box würde sich eine eigene Zone für Mädchen im Moment noch nicht rentieren, da im allgemeinen für die Jugendlichen noch zu wenige Zugangsmöglichkeiten zu Internet/Mailboxen bestehen. Derzeit sind noch zuwenig Schulen mit einen Modem bzw. mit einem Internetanschluß ausgestattet. Die Anschlüsse im privaten Bereich beschränken sich zum größten Teil auf jene Personen, die das Internet für berufliche Zwecke benötigen. Somit steht nur diesen Jugendlichen das Tor zum Internet offen, die Kontakt zu jenen Personen haben.

Exkurs: Unter dem Schlagwort Mädchen war folgendes zu finden: In Deutschland, genauer gesagt in Münster besteht eine Homepage mit der Adresse: http://www.muenster.de/femaidl/
Hier werden spezielle Mädchenprobleme bzw. Themen aufgeworfen. Es ist eine Seminarmappe für den Unterricht mit 14-19 jährigen Jugendlichen zu den Thema Jugendschutz (zu den verschiedensten Bereichen, wie Schule, Jugendpolitik, Cyberspace, Jugendgewalt, Religion - Sekten, ...) in Arbeit. Der Verein "Weiße Rose Münster" ( Gemeinnütziger Verein für Völker- Verständigung) ist ebenfalls unter dieser Adresse vertreten. Das Anliegen dieses Vereins wird hier kurz beschrieben:

"Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren haben sich zusammengefunden, um aktiven Jugendschutz betreiben, mit Hilfe von jungen Erwachsenen zwischen 20 und 25 Jahren. Pilot-Charakter hat insbesondere das "FeMAIdL"-Projekt: Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren setzen sich für einen "Weiberspace", in dem sie sicher sind vor frauenverachtendem, pornographischem Schmutz und Schund. Mädchen und junge Frauen im Internet für Aktionen gegen -girls verunglimpfenden- Sexismus und Rechtsradikalismus zu motivieren, hat Prioriät. Maßgeblich für das Projekt ist die Geheimhaltung: Viele Eltern der meist minderjährigen Mädchen bestanden darauf, daß diese sich nur in Internet engagieren, und zwar anonym (nicht aber bei öffentlichen Auftritten dabei sind). Wir beherzigen dies. Vor allem deshalb haben nur wenige junge Erwachsene das Projekt bisher nach außen hin vertreten." (Zitat von der Wepseite: http://www.muenster.de/femaidl/studgr.html)


3. Gespräch: Anita Frischmann & Roland Akinson
(Zusammenfassung)


Gesprächsort: Jugendzentrum Pragerstr. 20
Datum: 96-12-19
Zeitpunkt: 15.00 Uhr
Anita (14 Jahre) und Roland (16. Jahre) sind die Betreiber vom "Virtuellen Jugendzentrum".

Die Idee entstand im Frühjahr/Sommer letzten Jahres und wurde mit Hilfe eines Zivildieners (Sebastian Philipp), von den beiden in die Tat umgesetzt (Sebastian Philipp arbeitet jetzt, und hat auch schon davor in der Black Box mitgearbeitet). Anita und Roland sind ein sehr aktives Team, die die Worte, " das ist zu schwierig", oder "das können wir nicht" wie es uns schien, völlig aus ihrem Vokabular gestrichen haben. Die beiden waren die einzigen Jugendlichen in dieser Altersgruppe, die sich Österreich weit in dieser Form mit Internet auseinander gesetzt haben.

Das "Virtuelle Jugendzentrum bietet allgemeine INFOS für Jugendliche an. Weitere Links von ihnen sind: eine Newsgroup, Termine, den Club, ein Photoalbum, "Hot Links" und ein Feedbackboard.
Die Homepage und die graphische Gestalltung dieser, wurde von den beiden Jugendlichen selbst erstellt. Ihnen wurde dabei der größt mögliche Spielraum zur Verfügung gestellt.
Jeden Donnerstag Nachmittag können sie den Computer im Jugendzentrum benützen. Apropos "Donnerstag Nachmittag": Die letzte Information, die wir von den beiden bekamen, war die Ausführung eines sogenannten Gesprächswohnzimmers namens "MEETING IM PALAZZO". In diesem Auditorium können Jugendliche ab 17.00 Uhr in Kommunikation treten. Diese Gesprächsform läuft in einem Art "Crossdressing" ab, bei dem die Jugendlichen die Möglichkeit haben, die Identität von einem Tier, einem Ding, oder auch einem menschlichen Wesen anzunehmen, um in Kontakt mit einer, oder mehreren Personen zu treten.

In unserem Interview erschienen uns die beiden als sehr informierte Jugendliche. Sie konnten uns ziemlich präzise Angaben zu den Themen Technik, Bildungspolitk, Freizeitangebote, Gebührenkosten, etc. geben. Damit liegen sie sicher weit über den Durchschnitt ihrer Altersgruppe, was wir im Vergleich mit unseren Erfahrungen im Bereich der Jugendarbeit feststellen konnten.

Auf die Frage, ob sie ein geschlechtspezifisches Verhalten in Ihrem Freundeskreis, Klasse etc. im Umgang mit diesem Medium feststellen konnten, gaben die beiden sehr unterschiedliche Meinungen von sich:
Roland meinte, daß sowieso die Hälfte seiner Klasse in der Black Box anzutreffen sei, wobei sich diese Hälfte aber vor allem auf die männliche beziehe. Die Mädchen seiner Klasse seien, wie er es nannte noch nicht so auf einen "on-line trip", sondern beschäftigen sich vor allem mit Computerspielen und Textverarbeitung. Er meinte jedoch, daß ihre Neugierde langsam geweckt werde. Anita stellte wiederum resignierend fest, daß sich fast niemand in ihrer Klasse in der Arbeit mit Computern auskenne. Geschweige denn, mit dem Medium Internet. Sie besucht das erste Jahr Informatik in der Schule und mußte feststellen, daß sie fast eine Einzelposition mit ihren Kenntnissen auf diesem Gebiet, in ihrer Klasse einnimmt.

Bis jetzt ist das Echo auf ihr "Werk" unter den Jugendlichen noch nicht so groß, was die beiden vor allem auf die Interessenslosigkeit und die Faulheit von ihren Altersgenossen zurück führen.
Anscheinend haben sich schon sehr viele Jugendliche in das "Virtuelle Jugendzentrum" eingeklickt, aber sie sind noch nicht besonders aktiv geworden. Eine Meinung, die die beiden auch vertreten, ist jene, daß das Internet ein Programm ist, bei dem Jugendliche seht viel lesen müssen und ihre Erfahrungen dahin gehend sind, daß Jugendliche, die nicht gerne lesen und das ist der Großteil ihrer Altersgruppe, sich deshalb nicht mit diesem Medium auseinander setzen wollen.

Anita und Roland würden sich wünschen, daß ihre Homepage ungefähr die Dimension von einem "Gästebuch" annimmt, in dem die Teilnehmer Platz zur Verfügung gestellt bekommen, um aktiv und kreativ an der Gestalltung mitzuarbeiten. Sie stellen sich vor, daß sich das Jugenzentrum insofern verselbstständigt und Jugendliche dadurch eine Anregung bekommen, um auch selbst ähnliche, oder andere Projekte zu entwickeln.

Mit dieser Arbeit, haben die beiden den "Staatspreis für journalistische Leistungen im Interesse der Jugend 1996" erhalten. Wir gratulieren Euch herzlich!!!!!


4. Projektmappe


Projekt: "Museum@ online" ( Dezember 1995)


Mitarbeiter: SchülerInnen, LehrerInnen und Mitarbeiter des ÖKS und die Galerie im Oberen Belvedere
Ziel: weg von der technischen Machbarkeit, wichtig sind die Inhalte
Eine Ausstellung im Internet soll gestaltet werden, da der Cyberspace weiter als der reele Raum ist.Thema: Wie kann der Zugang zur Kunst der Jahrhundertwende und zu all den Beständen und Materialien, die das Museum davon verwahrt, durch Neue Medien erschlossen werden?
Vorgangsweise: Workshop für das Know-how , beim zweiten Workshop Feinabstimmung und Endredaktion des Projektes und Dokumentation in einer Homepage, die Links zu den Einzelarbeiten der Schulen hat.
Anmerkung: Museum online wurde auch schon 1995 durchgeführt


Projekt : "Log in" (1995)


Mitarbeiter: SchülerInnen, Lehrer und MitarbeiterInnen des ÖKS und AEC
Ziel:Beschäftigung mit dem Thema "speed" in sogenannten Tandemgruppen (=zwei LehrerInnen und ein Schüler) und Präsentation im Internet
Vorgangsweise:
Ausschreibung des groben Rahmenkonzeptes in der Black Box und black board. Rückmeldung von 26 Schulen. Allgemeines Treffen der Tandems für zwei Tage mit Computer. Anschließende Arbeit der Tandems und Treffen nach 5 Wochen, in denen jedes Tandem etwas zum Thema speed entworfen hat.
Zum Abschluß werden alle Gruppen an einem bestimmten Tag an Orten, die mit Geschwindigkeit zu tun haben vernetzt und in Linz im AEC wird ad hoc eine Web Seite daraus erstellt.


Projekt: "Log in 2 - Familie Auer" (1996)


Mitarbeiter: SchülerInnen, LehrerInnen, ÖKS und erfahrene Medienkünstler
Ziel: Ein Hörspiel im Internet zu gestalten und auch im Radio
Vorgangsweise: in Gruppen wird die Story, die Vertonung, die bildliche Darstellung gestaltet. In regelmäßigen LogIn Konferenzen auf blackboard wird die Entwicklung und der Werdegang des Hörspiels besprochen und organisiert. Die Mitarbeiter des Kunstradios passen die Materialien in die Homepage ein und diese wird noch einmal gemeinsam überarbeitet. In einem letzen Workshop wird das Hörspiel vervollständigt.
Adresse: http://www.ping.at/thing/orfkunstradio/LogIN-II/

In Zusammenarbeit des ÖKS und des Ars Electronica Center (AEC) in Linz existieren auch noch andere Projekte von und mit Jugendlichen:
"Geschichten rund ums digitale Lagerfeuer"
"Kreativwoche am Kunst und Medienort Linz"
"press button to continue"... und einige Seminare für LehrerInnen und SchülerInnen sind noch in Planung Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit den neuen Medien bietet das "virtuelle Klassenzimmer" im AEC Linz


Projekt: "Virtuelles Jugendzentrum" (August 1996)


Mitarbeiter: Anita und Roland
Ziel: Ein Medium für und von Jugendlichen zu erschließen, neue Mitarbeiter motivieren und ein selbstverwaltetes virtuelles Jugendzentrum kreiren.
Zielgruppe: Jeder, der sich jung fühlt
Vorgangsweise: Initiiert durch die Homepage der Jugendzentren entstand die Idee dazu, nachdem die Technik erlernt war, wurde das Jugendzentrum gegründet. Es wird laufend aktualisiert. Es besteht aus: Terminen, Newsgroup, Club, Photoalbum, Hot Links und dem Feedback.
In nächster Zeit soll auch eine Tauschbörse installiert werden.
Seit kurzem gibt es auch Meetings im Palazzo man mit den beiden Jugendlichen plaudern kann.
Adresse: www.Black Box.at/virtjz/


Projekt: "Jugendinfo Bellariapassage"


Mitarbeiterin: Sandra Esch
Ziel: Erweiterung des Informationsangebotes, Beratungsmöglichkeiten vorstellen, Broschüren anbieten, Kontaktadressen anführen...
Adresse: http://www.magwien.gv.at/ma13/info


Literatur/Quellen:

Interview mit Sandra Esch (Jugendinfo Bellariapassage)
Interview mit einer Mitarbeiterin der Black Box
Interview mit Anita Frischmann und Roland Arkinson (Virtjz)
Interview mit einem Mitarbeiter des Ars Electronica Center in Linz
Interview mit Franz Kratzer (Verein Jugendzentren Wien)
http://www.muenster.de/femaidl/
Interviews mit Jugendlichen im Wien
Interview mit einer Mitarbeiterin des ÖKS (Öterreichisches Kultur Sevice)

Für Inhalt und Gestaltung verantwortlich: Johanna Dorer
Webmaster: Manfred Bobrowsky